Der Vorstand des Geschichtskreises Wankum hat beschlossen, alle  geplanten Veranstaltungen ausfallen zu lassen.

 

Wenns weitergeht melden wir uns.


 Verschwundene Gaststätten im Gelderland:Wo die Wirtin notfalls die Sicherung rausdrehte

  Das Lokal „Zum goldenen Apfel“ in Wankum war nicht nur Gaststätte. Die Familie Thyssen beherbergte in ihrem Gebäude auch lange die Poststelle. Und im 19. Jahrhundert war der Gastwirt zugleich Amtmann.

Bier wird im Lokal „Zum goldenen Apfel“ in Wankum seit elf Jahren nicht mehr gezapft. Nur die Wankumer Wählergemeinschaft (WWG) nutzt einen Raum in dem Haus normalerweise für ihre Versammlungen. Seit einigen Wochen werden dort aber, der Pandemie geschuldet, Corona-Schnelltests angeboten. Damit wird quasi eine Tradition wieder aufgegriffen. Denn selten diente das Backsteingebäude an der Landfriedensstraße nur einem einzigen Zweck.

 So sah das Lokal „Zum goldenen Apfel“ in den 90er Jahren aus.
So sah das Lokal „Zum goldenen Apfel“ in den 90er Jahren aus. Foto: Repro Klatt

Die Anfänge der Gaststätte liegen im Dunkeln. Das berichten Marita Lürpen und Sigrid Noenen, die Nichten der letzten Wirtin vom „Goldenen Apfel“, Paula Thyssen. Die Ahnentafel weist die Familie aber zumindest bis weit zurück ins 19. Jahrhundert als Besitzer des Lokals aus. Wobei unklar ist, ob schon Johann Mathias Thyssen, der als Amtmann fungierte und vom 29. Februar 1784 bis zum 13. April 1866 lebte, Gäste bewirtete.

 Festkettenträgerin Paula Thyssen 1986 mit ihren Adjutanten Paul Druyen (l.) und Jakob Peters.
Festkettenträgerin Paula Thyssen 1986 mit ihren Adjutanten Paul Druyen (l.) und Jakob Peters. Foto: Repro Klatt

Sehr wohl tat das aber in diesem Gebäude sein Sohn Johann Thyssen (1838 bis 1893). Er war nicht nur Gastwirt, sondern auch Gemeindevorsteher und Landwirt. Dessen Sohn Jakob Thyssen (1868 bis 1950) fügte diesen Tätigkeiten noch die des Posthalters und des Standesbeamten hinzu. Ein Ehrenbrief vom 31. März 1939 weist aus, dass er von 1903 bis 1939 insgesamt 1079 Geburten, 408 Trauungen und 592 Sterbefälle beurkundete.

 Katharina Thyssen mit Briefträger Heinrich Verhaeg in der Poststelle.
Katharina Thyssen mit Briefträger Heinrich Verhaeg in der Poststelle. Foto: Repro Klatt

Jakobs Nichte Paula Thyssen begann 1949 bei der Post und dann auch in der Gaststätte. „Die Damen übernahmen das Steuer“, sagt Sigrid Noenen. Denn mit Paula Thyssen lenkte fortan auch deren Schwester Katharina Thyssen, ebenfalls Postlerin, die Geschicke des „Goldenen Apfels“. Die dritte Schwester, Anneliese Noenen, ebenfalls bei der Post, zog 1960 mit ihren Kindern in das Gebäude und brachte sich in die Gastronomie ein. „Hotel, Gaststätte, Post, das war alles ein Betrieb“, erinnert sich Sigrid Noenen.

Ein Großteil des geselligen Lebens von Wankum spielte sich im „Goldenen Apfel“ ab. Er war das Stammlokal des Kirchenchors St. Martin, der an den Dienstagabenden probte und sein Cäcilienfest dort feierte. Mehr als 50 Jahre frönte der Tupp-Club im Lokal diesem besonderen Kartenspiel, die Skatfreunde kehrten dort ein, Doppelkopfrunden versammelten sich, nicht selten mit Wirtin Paula mittendrin. Als es in Kaldenkirchen noch die Speedway-Rennstrecke gab, traf sich der Speedway-Club mit Mitgliedern aus Wankum und Straelen in dem Lokal. Die KLJB hielt rund 20 Jahre ihre Versammlungen ab. Pilgergruppen auf dem Weg nach oder von Kevelaer machten rund 50 Jahre Rast.

Beim Personal konnte sich die Familie auf einen Stamm verlassen. „Die Anzahl der Aushilfen richtete sich nach dem Bedarf“, so Marita Lürpen.

 Ein Herz und eine Seele war das Personal, das sich hier in den 50er Jahren in der Küche traf.
Ein Herz und eine Seele war das Personal, das sich hier in den 50er Jahren in der Küche traf. Foto: Repro Klatt

Deftig ging es beim Schüsseltreiben der Jäger zu. „Einmal im Jahr wurde bei uns zu Hause ein Schwein geschlachtet, auf das Fleisch waren die Jäger ganz heiß“, erzählen Marita Lürpen und Sigrid Noenen. Manchmal wurde die Suppe mit Wurst den Waidmännern auch auf die Pirsch gebracht. Auch bei den anderen Gästen waren Erbsen- und Linsensuppe begehrt. Auch bei den Briefträgern, die am Monatsende immer den Abschluss feierten.

 Ilse Winter bringt den Jägern Suppe zur Stärkung bei der Pirsch.
Ilse Winter bringt den Jägern Suppe zur Stärkung bei der Pirsch. Foto: Repro Klatt

Bei den Getränken gab es Vorlieben. So kreiste bei den Leerungsfesten des Sparclubs der Sparkasse gerne ein Keuck Türkisch Mokka mit Büchsenmilch. Die Kirchenchormitglieder tranken Kümmerling. Um 1 Uhr in der Früh war Schluss – offiziell. „Aber früher war das anders, das wurde nicht so eng gesehen“, meinen die beiden Nichten rückblickend. Zur Sperrstunde wurde die Tür abgeschlossen, und drinnen ging’s weiter. Bis es dann Wirtin Paula Thyssen auch zu spät wurde. „Jetzt ist Schluss“, rief sie dann von den Wohnräumen im Obergeschoss aus. Und wenn das nichts fruchtete, wurde notfalls die Sicherung herausgedreht.

Bis in die 70er Jahre gab es im Obergeschoss einen Saal, der dann aber ebenso wie die vier Gästezimmer für Wohnzwecke umgebaut wurde. Gefeiert wurde danach noch mehr als früher unten in der Kneipe, beim Karneval etwa oder beim Schützenfest, bei dem der „Goldene Apfel“ oft Königsresidenz war. Einmal stand auch Paula Thyssen im Mittelpunkt: 1986 trug sie die Festkette.

 Das Lokal „Zum Goldenen Apfel“ war oft Königsresidenz beim Schützenfest.
Das Lokal „Zum Goldenen Apfel“ war oft Königsresidenz beim Schützenfest. Foto: Repro Klatt

„Dann hat sich das Kneipenverhalten verändert“, meint Marita Lürpen. Vorbei waren die Zeiten, als sich die Bauern sonntags zum Frühschoppen trafen, ihre Zigarren pafften und die Luft zum Schneiden war. Der Betrieb der Gaststätte konzentrierte sich mehr und mehr aufs Wochenende und wurde zunehmend von der Familie alleine gestemmt. 2010, fünf Jahre vor ihrem Tod, schloss Paula Thyssen, die lange auch Wankumer Ortsvorsteherin war, den „Goldenen Apfel“. Diese Wankumer Gaststätte war Geschichte.

Quelle: RP 03.07.2021


 

 Der Geldrischer Heimatkalender ist eine Fundgrube zu Geschichte, Kultur und Kunst der Region. Zahlreiche Autoren haben daran mitgearbeitet.

Manches ist gegen die Corona-Pandemie immun: Der Geldrischer Heimatkalender zum Beispiel. Er erscheint jetzt trotz Lockdown und steigender Fallzahlen. „Vor dem Hintergrund aktueller Einschränkungen regt er vielleicht umso mehr zur häuslichen Lektüre an – und zur Beschäftigung mit den Lebensumständen vergangener Generationen mit ihren je eigenen Schicksalen und Nöten, Erfolgen oder Herausforderungen“, sagen die Verantwortlichen des Werkes. Es hat Tradition, dass eine Gemeinde im Mittelpunkt steht. Das ist diesmal Weeze. Daher wurde das Buch auch im Weezer Rathaus vorgestellt. Zudem ziert ein Foto der Spitze der Weezer Kirche das Titelblatt des Heimatkalenders.

Die wechselvolle Geschichte Weezes, vor allem vor dem Hintergrund der vielgestaltigen Veränderungen der vergangenen Jahre, schildert RP-Redakteur Michael Klatt – darunter natürlich die erfreulichen Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit. Viel weiter zurück reicht der Beitrag der Archäologinnen Marion Brüggler und Julia Rücker, die neueste Erkenntnisse zur eisenzeitlichen und römischen Besiedlung in Vorselaer präsentieren. Wie berichtet, sind diese Funde auf dem Gebiet einer Auskiesung in Weeze entdeckt worden. Faszinierende Aspekte eines lebendigen Weeze voller Tradition vermitteln die Fotoserien von Joachim Schulz, Bruno und Dirk Lange sowie Wolfgang Lietzow. Eine aufschlussreiche Außensicht auf das niederrheinisch-katholische Milieu der Stadt bietet die Schul- und Ortschronik eines Ende des 19. Jahrhunderts von Schlesien nach Weeze versetzten Lehrers, wie Gerd Halmanns darlegt. Jürgen Kwiatkowski kann einen weihnachtlichen Gruß aus Schloss Wissen übermitteln, der bereits 1894 entstand, während Günter Abels die dort und bei Schloss Walbeck zu findenden Esskastanienalleen aus naturkundlicher Perspektive behandelt. Einige Menschen werden sich daran erinnern können, was Beate Sturm aufgearbeitet hat: Das drängende Problem des mangelnden Wohnraums nach dem Kriegsende 1945, dessen Auswirkungen bis in die 1960er Jahre hinein spürbar blieben. Gewohnt verlässlich unterrichtet Gisela Rode in ihrer tabellarischen Chronik über besondere Ereignisse des vergangenen Jahres, dessen Publikationen in der Aufstellung von Elena Buchholz, Sebastian Gutknecht und Lilia Wick zu finden sind. Die Pflanzen- und Tierwelt zwischen Rhein und Maas hat Lucien Pijper in packenden Momentaufnahmen festgehalten und von Hermann Josef Windeln erfährt man, warum Wespen sympathisch und nützlich sind. Mehr als 20 Autoren befassen sich mit Archäologie, Geschichte und Kunst des Gelderlandes. So erläutert Klaus Oerschkes die neuesten Erkenntnisse zu den in Kervenheim geborgenen Scherben, während Timo Bollen der Bedeutung der Kaiserpfalz in Nimwegen während des Hochmittelalters nachspürt. In neuem Licht erscheint die Planung des Klosters Graefenthal nach den architekturgeschichtlichen Erörterungen von Christian Wiltsch, ebenso ein religiöses Gefäß aus dem Niederrheinischem Museum, dessen rätselhafte Funktion Veronika Hebben aufzeigen kann. Obwohl bereits wiederholt untersucht und vielfach bestaunt, gelingt es Hans Gerd Dormagen, der Grabplatte der Katharina von Geldern aus einem wahrlich neuen Blickwinkel bisher unbekannte Einzelheiten zu entlocken. Die mächtigen Orgeln von St. Dionysius in Nieukerk behandelt der musikgeschichtliche Artikel von Niklas Huth die Bedeutung der hiesigen Sgraffiti-Kunst erklärt der Kunsthistoriker Peter Lingens. Was die Wettener St. Petrus-Bruderschaft mit einem Silberschatz zu schaffen hatte, erläutert Dennis Hartjes, und wie aus einem Hahn einen Drache werden konnte, kann man dem Beitrag von Theo Sieben entnehmen, der von einem mundartlichen Artikel aus der Feder von Pastor Hubertus Janssen flankiert wird. Ralf Hendrix skizziert das Leben und Wirken des einflussreichen Unternehmers Reinhard Willemsen, ein Porträt des vielseitigen Künstlers Klaus Nisters steuert Hans-Josef Dahlen bei.Otto Weber gelingt es, anhand Straelener Sonderstempel stadtgeschichtliche Wegmarken der Nachkriegszeit zu visualisieren, während Theo Mäschigs Darstellung der Geschichte einer Gaststätte in Schaephuysen-Lind begreiflich macht, wie aus einem „Fuchs“ ein „Fuchsbau“ werden konnte. Welche Auswirkungen das „Neue Bauen“ der 1920er und 1930er Jahre auch in kleinen niederrheinischen Ortschaften zeitigte, führt Johanna Klümpen-Hegmans am Beispiel Aldekerks aus.Nicht nur Erfreuliches haben Jost Begrich zum Gelderner Giebelkreuz und Hans Dieter Bonnekamp zum St. Josef-Hospital in Issum zu berichten. Paul Lambert wirft einen frischen Blick auf ein Kanalprojekt zwischen Niers und Maas, desgleichen Simone Frank und Markus Veh in ihrer Geschichte der berühmtesten Worte, die je ein Ungeheuer sprach: „Gelre, Gelre!“ Sprachwissenschaftler Georg Cornelissen befasst sich gewohnt unterhaltsam mit den Verkleinerungsformen in niederrheinischer Mundart und Ronja Hochstrat wendet sich den widrigen Umständen der Kevelaerwallfahrt unter dem Hakenkreuz zu.Vornehmlich aus bisher wenig beachteten Archivbeständen speist sich die Rekonstruktion des Kriegsendes 1945 in Straelen und Velden, die Claudia Kurfürst unternimmt, woran chronologisch die Erläuterung der Vorgeschichte der deutsch-französischen Städtepartnerschaft Straelen/Bayon durch Joachim Bever anknüpft. An den Wegbereiter der geldrischen Geschichtsschreibung erinnert Matthias Schrör, und wie die Brüder Grimm in Straelener Mundart geklungen hätten, vermittelt Heinz Velmans. Freunde der hochdeutschen Poesie kommen mit den Gedichten von Maria Diedenhofen und Liss Steeger auf ihre Kosten.

Der Geldrischer Heimatkalender ist für 10,90 Euro im Buchhandel und beim Historischen Verein erhältlich und bei Geschichtskreis Wankum

Artikel 11.11.2020 RP

 

Wer an historische Themen des Gelderlandes interessiert ist oder noch ein passendes Weihnachtsgeschenk sucht, kann den Geldrischen Heimatkalender 2021 an folgender Verkaufsstelle zum Preis von  10.90 € erwerben:

  in der Dorfstube Martinsplatz 4 zu den Öffnungszeiten  

Man kann sich auch an die Mitglieder des Vorstandes wenden. Diese können ihnen dann ein Expl. zukommen lassen.

Vorsitzender: Peter Runge  02836 85240


Foto: Marie-Therese Reiners



Wankum Ausstellung zeigt: Die Geschichte der Bauernschaften begann wahrscheinlich im 11. Jahrhundert.

 

 

Am Sonntagvormittag wurde die Ausstellung „Die Bauernschaft Langdorf – eine Höfegeschichte“ mit großem Besucherinteresse in der Dorfstube eröffnet. Die Begrüßungsrede hielt Peter Runge, der Vorsitzende des Geschichtskreises Wankum. Er betonte, „dass sich Willi Küsters und Johannes Schriefers unglaublich intensiv mit dem Thema beschäftigt und viele Details über die damaligen Familien gefunden haben, die in der Bauernschaft wohnten“. Wachtendonks stellvertretende Bürgermeisterin Marlies Brückner freute sich ebenfalls über die große Arbeit, die die beiden Geschichtsforscher in das Projekt gesteckt hatten: „Mit all diesen vielen Details die Geschichte näherzubringen, das ist sehr wichtig und macht sie erst lebendig.“Auf großen Präsentationsflächen im hinteren Teil der Dorfstube hängen nun bis Ende Oktober zahlreiche Fotos, geschichtliche Fakten und auch ganz persönliche Erinnerungen. Die schriftliche Zusammenstellung der Arbeitsergebnisse ist zum Preis von 15 Euro beim Geschichtskreis Wankum erhältlich.

Küsters und Schriefers wollen bewusst die Bewohner der jeweiligen Höfe hervorheben. „Denn Geschichte findet Zugang über die Menschen“, so Brückner, die sich, als von dort kommende, bereits freute, „dass die nächste Ausstellung wahrscheinlich über die Höfe der Aerbecker Straße geht“. Denn über die Jahre sollen alle Wankumer Bauernschaften in den Fokus der Nachforschungen gerückt werden.

INFO

Dorfstube öffnet alle zwei Wochen

Von nun an wird in fast an jedem zweiten Sonntag die Dorfstube geöffnet, damit sich Interessierte die Ausstellung anschauen können. Das nächste Mal ist am 26. August, danach folgen der 9. und 27. September, sowie der 14. und 28. Oktober. Ein Besuch ist immer von 14 bis 17 Uhr möglich. Am 7. Oktober gibt es im Zuge eines Erntedankfests auf dem Kirchplatz Vorführungen alter landwirtschaftlicher Geräte und die Ausstellung wird zusätzlich von 11 bis 18 Uhr zu sehen sein.

Von Christoph Nikolas Kellerbach. RP 


Peter Runge, Vorsitzender

 

2. stellvertretende Bürgermeisterin   

Marlies Brückner

 

Johannes Schrievers

Willy Küsters, Autor

Katalog € 15,00



Treffen des Geschichtskreises Wankum: „10 Jahre Dorfstube“


WANKUM. Das nächste Monatstreffen des Geschichtskreises Wankum ist am Mittwoch, 2. Mai, um 20 Uhr in der Dorfstube, Martinsplatz 4 in Wankum. Das Thema des Abends lautet „10 Jahre Dorfstube“. Beim Monatstreffen im Mai steht die Dorfstube selbst im Mittelpunkt des Abends. Vor zehn Jahren wurde nach umfangreichen Umbauarbeiten die Dorfstube eröffnet. Aus Anlass dieses Jubiläums berichtet der Vorsitzende Peter Runge über die Entstehungsgeschichte, die Umbauphase und vor allem über die Zielsetzung und die Möglichkeiten, die sich dem Geschichtskreis nunmehr mit der ehemaligen Kaplanei boten um die Wankumer Geschichte nicht nur aufzuarbeiten, sondern auch darzustellen. Mit der Übernahme des Gebäudes durch den Geschichtskreis ist auch ein wichtiges, das Ortsbild Wankums prägendes Gebäude erhalten geblieben. Alle, die sich für die Geschichte Wankums, für den Erhalt des Ortbildes und die Hintergründe der Übernahme durch den Geschichtskreis interessieren, sind eingeladen.


Pressemitteilung


    am Sonntag 17. Dezember 2017 um 11. Uhr Buchpräsentation in Dorfstube

€ 19,-- excl.Porto

Druyen Hans Autor von dieses Buch                                                                                              Foto: Lucien Pijper



Hinweise:

In der Dorfstube, ehemalige Kaplanei, macht der Geschichtskreis Wankum folgende Angebote:

 

-          Dauerausstellung

In der oberen Etage beherbergt die Dorfstube ein Museum als Dauerausstellung. Es zeigt dort historische Exponate, welche die Geschichte und das Leben der Menschen in Wankum wiederspiegelt.

Öffnungszeiten: Von April bis November an jedem 2. Sonntag im Monat in der Zeit von 14 – 17 Uhr

 

-          Sonderausstellungen

Neben der Dauerausstellung bietet der Geschichtskreis In den unteren Räumen ein-  bis zweimal im Jahr eine Sonderausstellung mit unterschiedlicher Thematik an.

Während der Zeit der Sonderausstellungen gibt es folgende

Öffnungszeiten: jeden 2. und 4. Sonntag im Monat von 14 - 17 Uhr

 

-          Monatstreffen

Einmal im Monat gibt es das sogenannte „Monatstreffen“. Zu diesen Treffen bietet der Geschichtskreis jeweils ein geschichtliches Thema an. Hierzu sind stets alle interessierten Bürger eingeladen.

Termine: jeden ersten Mittwoch im Monat um 20 Uhr

 

-          Führungen und Vorträge in der Dorfstube

Auf Wunsch und nach Absprache bietet der Geschichtskreis auch Führungen durch das Haus und die jeweiligen Ausstellungen an.

Für Gruppen, Vereine oder Klassentreffen bieten wir ebenfalls Führungen, Kurzvorträge oder Filmvorträge an

Termine: Nach Absprache

 

-          Historische Führung durch Wankum

Historische Führungen durch den Ort können von beliebigen Gruppen nach Absprach durchgeführt werden.

Termine: Nach Absprache

 

-          Exkursionen

In unregelmäßigen Abständen bietet der Geschichtskreis auch Exkursionen zu Orten mit historischer Bedeutung.

Termin

 

Weitere Informationen

können Sie auch unserem Schaukasten an der Dorfstube, der Tagespresse oder unserer Web-Seite entnehmen unter www.geschichtskreis-wankum.de

 

Kontakte:

Geschichtskreis Wankum e.V., Auf dem Schelberg 24 – 47669 Wachtendonk-Wankum

Tel. +49 (0)2836-85240

 


 


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Niederrhein

Wie Kinder durch die Gegend rollten

Kornelia Heise-Ernst inmitten alter Kinderwagen. Das rote Deckchen im grünen Wagen stammt aus Schloss Sanssouci.FOTO: Gerhard Seybert

Niederrhein. Kornelia Heise-Ernst aus Wachtendonk sammelt Puppen- und Stubenwagen. Die Exponate einer Ausstellung in Wankum reichen vom späten 19. bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Viele Informationen zur Historie. Von Michael Klatt
Einige begeisterte Reaktionen hat Kornelia Heise-Ernst schon bekommen. "Ein Nachbar von mir hat auf einen Wagen gezeigt und gerufen: ,Da habe ich damals drin gelegen'", erzählt die Wachtendonkerin. Damals war der Mann längst nicht ausgewachsen, sondern passte bequem in das noch nicht mal einen Meter lange Korbgeflecht, das an einer Wand der Wankumer Dorfstube auf vier Rädern steht. Es ist eines von rund 50 großen und unzähligen kleinen Exponaten der Puppen- und Stubenwagenausstellung, die Kornelia Heise-Ernst für den Geschichtskreis Wankum organisiert hat.

Dieses Sammelgebiet erschloss sich die Wachtendonkerin vor rund einem Jahr ziemlich spontan. Im Internet war die Frau, die schon ziemlich lange Puppenhäuser und das Mobiliar dazu als Hobby hat, auf der Suche nach etwas ganz anderem, als sie das Angebot von 22 Puppenwagen entdeckte. "Als ich das sah, schwebte mir die Ausstellung schon vor." Sie ersteigerte die Wagen, die sich oft in einem ziemlich schäbigen Zustand befanden, und restaurierte sie. "12, 13 Stunden am Tag, auch samstags und sonntags", umreißt sie die Plackerei. Einige Stücke kamen seitdem hinzu. Heike Schröder, eine Freundin aus dem Bastelkreis, sowie Sammlerfreund Jörg Bohn steuerten weitere Ausstellungsstücke bei.

Vom späten 19. bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts reicht das Spektrum der Exponate. Auf einige Stücke ist die Sammlerin besonders stolz. Zum Beispiel auf den seltenen Zwillingswagen der Firma Brennabor, der etwa 1900 produziert wurde. Der preußischblaue Holzkorpus ist mit Textilgewebe bespannt. In der Mitte des Bodens befindet sich eine quadratische Vertiefung. "Das ist für die Füßchen", erklärt Kornelia Heise-Ernst. Das heißt: Liegen konnten die beiden Kinder in dem Gefährt nicht, sie mussten schon sitzen können, um die Plätze einander gegenüber einnehmen zu können. Es sei früher aber sowieso nicht üblich gewesen, kleine Kinder mitzunehmen, berichtet die Wachtendonkerin. Sie hat sich nicht damit begnügt, die Transportmittel zu präsentieren, sondern liefert dazu auch noch viele Informationen über die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Zum Beispiel darüber, wie hoch die Kindersterblichkeit Anfang des 19. Jahrhunderts gewesen ist. Ein Drittel der Neugeborenen starb vor dem Erreichen des dritten Lebensjahres.

Einiges erfährt der Besucher über die Herstellerfirmen der Exponate, über Brennabor, Saxonia, Germania, Frankonia. Ernst-Albert Naether erfand in Zeitz Mitte des 19. Jahrhunderts den Kinderwagen, die Stadt in Sachsen-Anhalt entwickelte sich zur Hochburg, gab Tausenden Arbeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg machten die Sowjets hier wie überall in ihrem Einflussgebiet die Firma zu einem Volkseigenen Betrieb (VEB), zum VEB Zekiwa (Zeitzer Kinderwagenindustrie). Heise-Ernst: "In der Bundesrepublik hat Neckermann diese Kinderwagen vertrieben." Allerdings ohne Firmenlogo. 1998 wurde Zekiwa abgewickelt.

Babytransport früher und heute - das ist ein weiteres Thema. Von Schubkarren und Bollerwagen bis zu Tragetuch und Rucksack reichen die Methoden. Auch aus heutiger Sicht Kurioses fehlt in der Ausstellung nicht. Eine Polizeiverordnung aus Naumburg von 1897 verrät, dass Kinderwagen einst Nummernschilder haben mussten. Zuwiderhandlung wurde mit einer happigen Geldstrafe von neun Mark oder Gefängnis geahndet.

In einem grünen Puppenwagen von 1900 fallen ein rotes Deckchen und ein rotes Kissen mit Königskronen auf. Da taucht Kornelia Heise-Ernst in ihre eigene Familiengeschichte ein. "Das stammt von Schloss Sanssouci, wo eine Tante Zimmermädchen war. Als der Kaiser ins niederländische Exil musste, durften die Bediensteten sich was mitnehmen, und so landeten die Bezüge auf Umwegen bei mir."

Selbst taucht die 1952 geborene Organisatorin übrigens auch auf - auf einem Schwarz-Weiß-Foto als Baby in einem geschlossenen Wagen. Später kaufte ihre Mutter einen vorne offenen Wagen, in dem auch der jüngere Bruder Platz hatte und der bei der Schwester nicht auf Gegenliebe stieß. "Ich fand den Wagen hässlich."

Quelle: RP



Heinz Josef Naus Organisator und Peter Runge (l.) mit einem Porträt von Constantin von Ruys-Nieuwenbroeck, um den sich die Ausstellung dreht.FOTO: Seybert