Das nächste Monatstreffen des Wankumer Geschichtskreises ist am
Mittwoch, 03.5.2023 um 19 Uhr
in der Dorfstube, Martinsplatz 4 in Wankum
Thema:
Wankums Gaststätten und Kneipen
Das Thema Gaststätten und Kneipen hat ein sehr großes Echo gefunden. Die Fülle von eingebrachten Erinnerungen und Erlebnissen der Gesprächsteilnehmer zeigt uns, wie
bedeutsam im Leben der Dorfbewohner und der Bewohner der Bauernschaften die Einrichtung der vielen Gastronomiebetriebe war. Die Bedeutung für das Vereinsleben, den Tanzveranstaltungen den
Theateraufführungen, den Stammtischrunden, den ersten Musikboxen, den Hochzeits- und sonstigen Familienfeiern u.v.m. Da wir derzeit einen extremen Wandel verspüren, stellt sich die Frage, wie bei
nur noch einer von einst fünfzehn Betrieben sich auch das Dorfleben verändern wird.
Am dritten Abend zu diesem Thema steht daher die Betrachtung der Gastronomiebetriebe in den Bauernschaften im Mittelpunkt. Zuletzt wird es um die Frage gehen:
„Verarmt das Leben auf dem Dorf?“
Wir hoffen auch am letzten Abend zu diesem Thema auf ebenso große Beteiligung.
Eintritt Frei
Osterbrauchtum: 07. April 2023 *Klappern* rundgang
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Herzliche Einladung zum Mittwochtreff in der Wankumer Dorfstube am 05.04.2023 um 19.00 Uhr. Das Thema an diesem Abend lautet: Wankumer Straßennamen und ihre Bedeutungen.
Hilfen für die Ukraine – Ein Lichtbildvortrag von Hans Druyen
am Freitag, 17. Februar 2023 um 19 Uhr
in der Dorfstube, Martinsplatz 4 in Wankum
Wie andere Vereine und Gruppierungen in Wankum so unterstützt auch der Geschichtskreis die von Hans Druyen initiierte Hilfsaktion für die Menschen und insbesondere
für die Kinder im vom Krieg heimgesuchten Land.
Hans Druyen hat in seiner beruflich aktiven Zeit die Ukraine auf seinen Geschäftsreisen kennengelernt. Seinen Gesprächspartnern ist er nicht nur geschäftlich,
sondern auch menschlich näher gekommen. An diese Menschen erinnerte er sich nach dem Kriegsausbruch. Die Grausamkeiten und die Not der Menschen in dem vor einem Jahr begonnen Krieg weckten in ihm
den Gedanken, seine alten Kontakte zu reaktivieren und Hilfe für die Menschen in der Ukraine zu organisieren.
Inzwischen war vor Weihnachten ein erster Konvoi mit Hilfsgütern dort angekommen.
In seinem Lichtbildvortrag wird Hans Druyen von den Anfängen seiner Kontakte über die Organisation der Hilfe, die große Hilfsbereitschaft der hiesigen
Bevölkerung und über die Freude bei der Ankunft des Konvois am Zielort in der Ukraine berichten.
Zugleich wirbt er für weitere Spenden, die in einem zweiten Transport in die Ukraine gebracht werden sollen. Die Spenden werden sich auch an dem orientieren, was
die Menschen vor Ort dringend benötigen.
Pressemitteilung
Monatstreffen
amMittwoch,01.Februar2023
DasersteMonatstreffendesWankumerGeschichtskreisesin diesem Jahrist amMittwoch,01.02.2023um19Uhr
in der Dorfstube,
Martinsplatz4 in Wankum
Thema:
Wankums Gaststätten und Kneipen
Dieses Monatstreffen ist als Gesprächskreis gedacht, bei dem jeder Besucher sich einbringen kann. Die Themen sind unterschiedlich, befassen sich aber mit dem Leben der Menschen
im Dorf. Hier werden Erinnerungen und eigene Erlebnisse ausgetauscht und über den Wandel der Zeit diskutiert.
Zum anstehenden Thema
hatten wir bereits einen Gesprächsabend. Da diesesThemaoffensichtlich viele Erinnerungen aufkommen ließ,reichte die vorhandenen Zeit nicht mehr, um alle einstigen Kneipen und Gaststätten Wankums thematisch zu erfassen. Daher setzen wir nun das Thema fort und hoffen auf eine
weitere, muntere Gesprächsrunde.
Pressemitteilung
Der Vorstand des Geschichtskreises Wankum wünscht Mitgliedern, Besuchern, Gönnern, Sponsoren und ihren Familien noch eine besinnliche
Weihnachtszeit und alles erdenklich Gute für das Jahr 2023 und bleiben Sie gesund.
Hinweis: Ab Februar 2023 bieten wir wie gewohnt wieder unser
Programm an.
Beachten Sie daher unseren Aushang an der Dorfstube, die regionale Presse oder unsere Website.
Pressemitteilung
Archivübergabe des Overkwartier van Gelre
Der niederländisch-deutsche Verein „Overkwartier van Gelre“ befasste sich insbesondere mit der Geschichte unserer Region wie sie zur Zeit
des Herzogtums Geldern bestand. Nun hat sich der Verein mangels aktiver Mitglieder aufgelöst.
Der Vorstand des Geschichtskreises Wankum bedauert dies sehr. Insbesondere auch wegen der guten Zusammenarbeit beider Vereine. Diese ergab
sich auch dadurch, dass das OvG Räume in der Dorfstube nutzte.
Durch die Auflösung waren für den Verein etliche Fragen zu klären. Unter anderem war die Frage, was mit dem inzwischen beachtlich
angewachsenen Archiv geschehen solle. Immerhin haben die aktiven Mitglieder dort viel Arbeit investiert.
In mehreren Gesprächen zwischen den beiden Vorständen kam man schlussendlich zu dem Ergebnis, dass der Geschichtskreis Wankum das gesamte
Archiv übernimmt. Da die Archivräume beider Vereine in der Dorfstube benachbart angeordnet sind, Ist die Betreuung in einem zusammengeführten Archiv gut zu organisieren.
Nach der Klärung der organisatorischen Fragen und der näheren Erläuterung der Archivbestände wurde das Archiv durch die symbolische
Schlüsselübergabe in den Bestand des Geschichtskreises Wankum über.
Die Schlüsselübergabe erfolgte durch die Vertreter des OvG, dem ehemaligen Vorsitzenden Harrie Huijs, der Archivbetreuerin Truus Geurtjens
und dem ehemaligen Schatzmeister Will Steeghs. Vom Geschichtskreis Wankum übernahm der Vorsitzende Peter
Runge und der Schriftführer Johannes Schriefers die Schlüssel. Damit endet erneut eine Vereinsära.
Bild:Bei der Schlüsselübergabe im bisherigen Archiv des
OvG:
Von links: Vorsitzender Harrie Huijs, Archivbetreuerin Truus Geurtjens, Schatzmeister Will Steeghs und Peter Runge vom
Geschichtskreis
Foto: Johannes Schriefers
Mittwoch den 5.10.2022 um 19.Uhr.Vortrag in der Wankumer Dorfstube, Martinsplatz 4, 47669 Wachtendonk-Wankum . Archäologische Funde in Wankum. Vortrag gehalten von Heinz Josef Naus.Dauer ca
1- 1.5 Stunden
nicht Mitglieder sind auch Herzlich Willkommen
am kommenden Mittwoch, 07. September ab 19 Uhr.
Vortrag
von Heinz Koch (Hinsbeck) überdie
Entstehung der Krickenbecker Seen,
in
der Dorfstube,Martinsplatz 4,Wankum.
Mitglieder und Gäste sind Herzlich Willkommen.
Ausstellung in Wankum: Natur durch die Linse des Fotografen
RP 26.04.2022
oto: Norbert
Prümen
Lucien Pijper zeigt eine der 32 Aufnahmen, die in der Dorfstube Wankum ausgestellt sind. Er ging mit seinem Scooter-Mobil auf Motivsuche.
Wankum In der Dorfstube Wankum präsentiert der Geschichtskreis Aufnahmen von Lucien Pijper. Sie sind zwischen Krickenbeck und Wankum entstanden. Die 32 Exponate zeigen die Flora und Fauna
zum Teil aus ungewöhnlichem Blickwinkel.
Von Margret Linßen
Eigentlich sollte die Fotoausstellung von Lucien Pijper bereits vor zwei Jahren gezeigt werden – eigentlich. Doch dann kam das dazwischen, was auch vielen anderen Veranstaltern die Planung
verhagelte: die Corona-Pandemie. Alle Vorbereitungen mussten gestoppt werden. Am Sonntagmorgen aber war es dann endlich soweit. Der Geschichtskreis Wankum hatte in die Dorfstube eingeladen und
einige Interessierte waren gekommen, um bei der Eröffnung der Ausstellung mit dem Titel „Natur – grenzüberschreitend zwischen Rhein und Maas“ dabei zu sein.
Peter Runge, der Vorsitzende des Geschichtskreises Wankum übernahm die Rolle des Gastgebers und sprach einige Worte zur Begrüßung. Lucien Pijper, Fotograf und Historiker führte in die Ausstellung
ein. „Natur – grenzüberschreitend zwischen Rhein und Maas“ hat er seine Fotos genannt. Damit steckt er den geografischen Rahmen für seine Tätigkeit ab. Die 32 teils großformatigen Bilder der
Veranstaltung zeigen Pflanzen, Blüten, Vögel und Landschaften zwischen Krickenbeck und Wankum. Sie sind entweder „normal“ gerahmt, auf Leinen oder Aluminium gedruckt oder unter Acryl verewigt.
Diese Technik bringt die Farben und die Tiefe des Bildes besonders gut zur Geltung.
Mit seinem Scooter-Mobil macht sich Lucien Pijper auf Motivsuche. Seine Profi-Kameraausrüstung ist immer dabei. „Vor sechs Jahren bin ich wieder in meinen alten Beruf eingestiegen“,
berichtet er. Als Tier- und Naturfotograf muss man viel Geduld haben. Das erläutert er an einem Bild, auf dem ein Haubentaucher zu sehen ist, der gerade einen Fisch verspeist. Die
wenigsten Tiere posieren auf Kommando. Der Fotograf muss sich seinen „Fotomodellen“ anpassen und mehr oder weniger lange Wartezeiten einkalkulieren. Nur so gelingt es, die wirklichen „Augenblicke
des Lebens“ einzufangen.
NEBEN DER FOTOGRAFIE BETREUT PIJPER AUCH NOCH SEHR INTENSIV EINIGE INTERNETSEITEN. SEINE „TAGESFOTOS“ SENDET ER AN 250 EMPFÄNGER IM INTERNET. AUCH DIE SEITE DES GESCHICHTSKREISES WANKUM
BEARBEITET ER UND BESTÜCKT SIE MIT NEUIGKEITEN AUS DER VEREINSARBEIT.INFO
Wann die Ausstellung noch zu sehen ist
Termine Wer die Ausstellungseröffnung am Sonntag verpasst hat, dem stehen noch weitere Termine zur Verfügung. Die Aufnahmen von Lucien Pijper zeigt der Geschichtskreis Wankum in der
Dorfstube direkt neben der St.-Martin-Kirche auch noch an den Sonntagen 15. und 29. Mai sowie 12. und 26. Juni.
Öffnungszeiten jeweils von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt in die Ausstellung ist frei.
Um seine fotografische Vielfalt zu zeigen, hat er extra für die Ausstellung in der Wankumer Dorfstube einen Geburtstagskalender anfertigen lassen. Einmal stellen Blumen und Pflanzen die Motive
dar, ein anderer ist mit Fotos von heimischen Tieren gefüllt. Lucien Pijper versucht, die Motive aus einer „anderen Perspektive“ darzustellen. Beispielsweise hat er einen Riesenbärenklau „von
unten“ aufgenommen. Das Ergebnis ist verblüffend. Eine filigrane Schönheit tut sich dem Betrachter dieser Pflanze auf.
Fotos: Jan Spee
Fotos: H Willy Verhaegh
Pressemitteilung
Das nächste Monatstreffen ist am
Mittwoch, 01.06.2022 um 19 Uhr
in der Dorfstube, Martinsplatz 4 in Wankum
Thema:
Handwerker in Wankum
Wie die Landwirtschaft, die das Leben im Dorf von Beginn an prägte, so folgten im Zuge der Arbeitsteilung die Handwerker vor Ort. Auch sie erfuhren im Laufe der Zeit einen enormen
Wandel. Manche Berufe sind durch technische Entwicklungen oder veränderte Produktionsverfahren nicht mehr existent. Neue Berufsbilder sind entstanden.
An diesem Abend wollen wir in Form eines Gesprächskreises mehr erfahren über die Arbeitsweise der Handwerker aber auch über ihre familiären Lebensbedingungen im Dorf. Jeder, der noch
Erinnerungen an Handwerker in Wankum hat, möge sein Wissen mitteilen, so dass wir unser Bild der jeweiligen Zeit ergänzen und vervollständigen können. Wir würden uns darüber freuen.
Wie immer, sind alle Interessierten herzlich willkommen und wir freuen uns über eine rege Teilnahme.
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Kleppern nach alter Tradition durch der Wankumer-Jugend. Fotos u.Videos: H.-J. Naus
Verschwundene Gaststätten im Gelderland:Wo
die Wirtin notfalls die Sicherung rausdrehte
Die Damen übernehmen das Steuer im „Goldenen Apfel“: Die Schwestern Paula Thyssen (l.) und Anneliese Noenen an Zapfhahn und Theke. Foto:
Repro Klatt
SerieWankum Das
Lokal „Zum goldenen Apfel“ in Wankum war nicht nur Gaststätte. Die Familie Thyssen beherbergte in ihrem Gebäude auch lange die Poststelle. Und im 19. Jahrhundert war der Gastwirt zugleich
Amtmann.
Bier wird im Lokal „Zum goldenen Apfel“ in Wankum seit elf Jahren nicht mehr gezapft. Nur die Wankumer Wählergemeinschaft (WWG) nutzt einen Raum in dem Haus normalerweise für ihre
Versammlungen. Seit einigen Wochen werden dort aber, der Pandemie geschuldet, Corona-Schnelltests angeboten. Damit wird quasi eine Tradition wieder aufgegriffen. Denn selten diente das
Backsteingebäude an der Landfriedensstraße nur einem einzigen Zweck.
So sah das Lokal „Zum goldenen Apfel“ in den 90er Jahren aus. Foto:
Repro Klatt
Die Anfänge der Gaststätte liegen im Dunkeln. Das berichten Marita Lürpen und Sigrid Noenen, die Nichten der letzten Wirtin vom „Goldenen Apfel“, Paula Thyssen. Die Ahnentafel weist die
Familie aber zumindest bis weit zurück ins 19. Jahrhundert als Besitzer des Lokals aus. Wobei unklar ist, ob schon Johann Mathias Thyssen, der als Amtmann fungierte und vom 29. Februar 1784
bis zum 13. April 1866 lebte, Gäste bewirtete.
Festkettenträgerin Paula Thyssen 1986 mit ihren Adjutanten Paul Druyen (l.) und Jakob Peters. Foto:
Repro Klatt
Sehr wohl tat das aber in diesem Gebäude sein Sohn Johann Thyssen (1838 bis 1893). Er war nicht nur Gastwirt, sondern auch Gemeindevorsteher und Landwirt. Dessen Sohn Jakob Thyssen (1868 bis
1950) fügte diesen Tätigkeiten noch die des Posthalters und des Standesbeamten hinzu. Ein Ehrenbrief vom 31. März 1939 weist aus, dass er von 1903 bis 1939 insgesamt 1079 Geburten, 408
Trauungen und 592 Sterbefälle beurkundete.
Katharina Thyssen mit Briefträger Heinrich Verhaeg in der Poststelle. Foto:
Repro Klatt
Jakobs Nichte Paula Thyssen begann 1949 bei der Post und dann auch in der Gaststätte. „Die Damen übernahmen das Steuer“, sagt Sigrid Noenen. Denn mit Paula Thyssen lenkte fortan auch deren
Schwester Katharina Thyssen, ebenfalls Postlerin, die Geschicke des „Goldenen Apfels“. Die dritte Schwester, Anneliese Noenen, ebenfalls bei der Post, zog 1960 mit ihren Kindern in das
Gebäude und brachte sich in die Gastronomie ein. „Hotel, Gaststätte, Post, das war alles ein Betrieb“, erinnert sich Sigrid Noenen.
Ein Großteil des geselligen Lebens von Wankum spielte sich im „Goldenen Apfel“ ab. Er war das Stammlokal des Kirchenchors St. Martin, der an den Dienstagabenden probte und sein Cäcilienfest
dort feierte. Mehr als 50 Jahre frönte der Tupp-Club im Lokal diesem besonderen Kartenspiel, die Skatfreunde kehrten dort ein, Doppelkopfrunden versammelten sich, nicht selten mit Wirtin
Paula mittendrin. Als es in Kaldenkirchen noch die Speedway-Rennstrecke gab, traf sich der Speedway-Club mit Mitgliedern aus Wankum und Straelen in dem Lokal. Die KLJB hielt rund 20 Jahre
ihre Versammlungen ab. Pilgergruppen auf dem Weg nach oder von Kevelaer machten rund 50 Jahre Rast.
Beim Personal konnte sich die Familie auf einen Stamm verlassen. „Die Anzahl der Aushilfen richtete sich nach dem Bedarf“, so Marita Lürpen.
Ein Herz und eine Seele war das Personal, das sich hier in den 50er Jahren in der Küche traf. Foto:
Repro Klatt
Deftig ging es beim Schüsseltreiben der Jäger zu. „Einmal im Jahr wurde bei uns zu Hause ein Schwein geschlachtet, auf das Fleisch waren die Jäger ganz heiß“, erzählen Marita Lürpen und
Sigrid Noenen. Manchmal wurde die Suppe mit Wurst den Waidmännern auch auf die Pirsch gebracht. Auch bei den anderen Gästen waren Erbsen- und Linsensuppe begehrt. Auch bei den Briefträgern,
die am Monatsende immer den Abschluss feierten.
Ilse Winter bringt den Jägern Suppe zur Stärkung bei der Pirsch. Foto:
Repro Klatt
Bei den Getränken gab es Vorlieben. So kreiste bei den Leerungsfesten des Sparclubs der Sparkasse gerne ein Keuck Türkisch Mokka mit Büchsenmilch. Die Kirchenchormitglieder tranken
Kümmerling. Um 1 Uhr in der Früh war Schluss – offiziell. „Aber früher war das anders, das wurde nicht so eng gesehen“, meinen die beiden Nichten rückblickend. Zur Sperrstunde wurde die Tür
abgeschlossen, und drinnen ging’s weiter. Bis es dann Wirtin Paula Thyssen auch zu spät wurde. „Jetzt ist Schluss“, rief sie dann von den Wohnräumen im Obergeschoss aus. Und wenn das nichts
fruchtete, wurde notfalls die Sicherung herausgedreht.
Bis in die 70er Jahre gab es im Obergeschoss einen Saal, der dann aber ebenso wie die vier Gästezimmer für Wohnzwecke umgebaut wurde. Gefeiert wurde danach noch mehr als früher unten in der
Kneipe, beim Karneval etwa oder beim Schützenfest, bei dem der „Goldene Apfel“ oft Königsresidenz war. Einmal stand auch Paula Thyssen im Mittelpunkt: 1986 trug sie die Festkette.
Das Lokal „Zum Goldenen Apfel“ war oft Königsresidenz beim Schützenfest. Foto:
Repro Klatt
„Dann hat sich das Kneipenverhalten verändert“, meint Marita Lürpen. Vorbei waren die Zeiten, als sich die Bauern sonntags zum Frühschoppen trafen, ihre Zigarren pafften und die Luft zum
Schneiden war. Der Betrieb der Gaststätte konzentrierte sich mehr und mehr aufs Wochenende und wurde zunehmend von der Familie alleine gestemmt. 2010, fünf Jahre vor ihrem Tod, schloss Paula
Thyssen, die lange auch Wankumer Ortsvorsteherin war, den „Goldenen Apfel“. Diese Wankumer Gaststätte war Geschichte.
Quelle: RP 03.07.2021
Gelderland Der
Geldrischer Heimatkalender ist eine Fundgrube zu Geschichte, Kultur und Kunst der Region. Zahlreiche Autoren haben daran mitgearbeitet.
Manches ist gegen die Corona-Pandemie immun: Der Geldrischer Heimatkalender zum Beispiel. Er erscheint jetzt trotz Lockdown und steigender Fallzahlen. „Vor dem Hintergrund aktueller
Einschränkungen regt er vielleicht umso mehr zur häuslichen Lektüre an – und zur Beschäftigung mit den Lebensumständen vergangener Generationen mit ihren je eigenen Schicksalen und Nöten,
Erfolgen oder Herausforderungen“, sagen die Verantwortlichen des Werkes. Es hat Tradition, dass eine Gemeinde im Mittelpunkt steht. Das ist diesmal Weeze. Daher wurde das Buch auch im Weezer
Rathaus vorgestellt. Zudem ziert ein Foto der Spitze der Weezer Kirche das Titelblatt des Heimatkalenders.
Die wechselvolle Geschichte Weezes, vor allem vor dem Hintergrund der vielgestaltigen Veränderungen der vergangenen Jahre, schildert RP-Redakteur Michael Klatt – darunter natürlich die
erfreulichen Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit. Viel weiter zurück reicht der Beitrag der Archäologinnen Marion Brüggler und Julia Rücker, die neueste Erkenntnisse zur eisenzeitlichen
und römischen Besiedlung in Vorselaer präsentieren. Wie berichtet, sind diese Funde auf dem Gebiet einer Auskiesung in Weeze entdeckt worden. Faszinierende Aspekte eines lebendigen Weeze
voller Tradition vermitteln die Fotoserien von Joachim Schulz, Bruno und Dirk Lange sowie Wolfgang Lietzow. Eine aufschlussreiche Außensicht auf das niederrheinisch-katholische Milieu der
Stadt bietet die Schul- und Ortschronik eines Ende des 19. Jahrhunderts von Schlesien nach Weeze versetzten Lehrers, wie Gerd Halmanns darlegt. Jürgen Kwiatkowski kann einen weihnachtlichen
Gruß aus Schloss Wissen übermitteln, der bereits 1894 entstand, während Günter Abels die dort und bei Schloss Walbeck zu findenden Esskastanienalleen aus naturkundlicher Perspektive
behandelt. Einige Menschen werden sich daran erinnern können, was Beate Sturm aufgearbeitet hat: Das drängende Problem des mangelnden Wohnraums nach dem Kriegsende 1945, dessen Auswirkungen
bis in die 1960er Jahre hinein spürbar blieben. Gewohnt verlässlich unterrichtet Gisela Rode in ihrer tabellarischen Chronik über besondere Ereignisse des vergangenen Jahres, dessen
Publikationen in der Aufstellung von Elena Buchholz, Sebastian Gutknecht und Lilia Wick zu finden sind. Die Pflanzen- und Tierwelt zwischen Rhein und Maas hat
Lucien Pijper in packenden Momentaufnahmen festgehalten und von Hermann Josef Windeln erfährt man, warum Wespen sympathisch und nützlich sind. Mehr als 20 Autoren befassen sich mit
Archäologie, Geschichte und Kunst des Gelderlandes. So erläutert Klaus Oerschkes die neuesten Erkenntnisse zu den in Kervenheim geborgenen Scherben, während Timo Bollen der Bedeutung der
Kaiserpfalz in Nimwegen während des Hochmittelalters nachspürt. In neuem Licht erscheint die Planung des Klosters Graefenthal nach den architekturgeschichtlichen Erörterungen von
Christian Wiltsch, ebenso ein religiöses Gefäß aus dem Niederrheinischem Museum, dessen rätselhafte Funktion Veronika Hebben aufzeigen kann. Obwohl bereits wiederholt untersucht und vielfach
bestaunt, gelingt es Hans Gerd Dormagen, der Grabplatte der Katharina von Geldern aus einem wahrlich neuen Blickwinkel bisher unbekannte Einzelheiten zu entlocken. Die mächtigen Orgeln von
St. Dionysius in Nieukerk behandelt der musikgeschichtliche Artikel von Niklas Huth die Bedeutung der hiesigen Sgraffiti-Kunst erklärt der Kunsthistoriker Peter Lingens. Was die Wettener St.
Petrus-Bruderschaft mit einem Silberschatz zu schaffen hatte, erläutert Dennis Hartjes, und wie aus einem Hahn einen Drache werden konnte, kann man dem Beitrag von Theo Sieben entnehmen, der
von einem mundartlichen Artikel aus der Feder von Pastor Hubertus Janssen flankiert wird. Ralf Hendrix skizziert das Leben und Wirken des einflussreichen Unternehmers Reinhard Willemsen, ein
Porträt des vielseitigen Künstlers Klaus Nisters steuert Hans-Josef Dahlen bei.Otto Weber gelingt es, anhand Straelener Sonderstempel stadtgeschichtliche Wegmarken der Nachkriegszeit zu
visualisieren, während Theo Mäschigs Darstellung der Geschichte einer Gaststätte in Schaephuysen-Lind begreiflich macht, wie aus einem „Fuchs“ ein „Fuchsbau“ werden konnte. Welche
Auswirkungen das „Neue Bauen“ der 1920er und 1930er Jahre auch in kleinen niederrheinischen Ortschaften zeitigte, führt Johanna Klümpen-Hegmans am Beispiel Aldekerks aus.Nicht nur
Erfreuliches haben Jost Begrich zum Gelderner Giebelkreuz und Hans Dieter Bonnekamp zum St. Josef-Hospital in Issum zu berichten. Paul Lambert wirft einen frischen Blick auf ein Kanalprojekt
zwischen Niers und
Maas, desgleichen Simone Frank und Markus Veh in ihrer Geschichte der berühmtesten Worte, die je ein Ungeheuer sprach: „Gelre, Gelre!“ Sprachwissenschaftler Georg Cornelissen befasst sich
gewohnt unterhaltsam mit den Verkleinerungsformen in niederrheinischer Mundart und Ronja Hochstrat wendet sich den widrigen Umständen der Kevelaerwallfahrt unter dem Hakenkreuz zu.Vornehmlich
aus bisher wenig beachteten Archivbeständen speist sich die Rekonstruktion des Kriegsendes 1945 in Straelen und Velden, die Claudia Kurfürst unternimmt, woran chronologisch die Erläuterung
der Vorgeschichte der deutsch-französischen Städtepartnerschaft Straelen/Bayon durch Joachim Bever anknüpft. An den Wegbereiter der geldrischen Geschichtsschreibung erinnert Matthias Schrör,
und wie die Brüder Grimm in Straelener Mundart geklungen hätten, vermittelt Heinz Velmans. Freunde der hochdeutschen Poesie kommen mit den Gedichten von Maria Diedenhofen und Liss Steeger auf
ihre Kosten.
Der Geldrischer Heimatkalender ist für 10,90 Euro im Buchhandel und beim Historischen Verein erhältlich und bei Geschichtskreis Wankum
Artikel 11.11.2020 RP
Wer an historische Themen des Gelderlandes interessiert ist oder noch ein passendes Weihnachtsgeschenk sucht, kann den Geldrischen Heimatkalender 2021 an folgender Verkaufsstelle zum Preis
von 10.90 € erwerben:
- in der
Dorfstube Martinsplatz 4 zu den Öffnungszeiten
Man kann sich auch an die Mitglieder des Vorstandes wenden. Diese können ihnen dann ein Expl. zukommen lassen.
Vorsitzender: Peter Runge 02836 85240
Foto: Marie-Therese Reiners
Wankum Ausstellung zeigt: Die Geschichte der Bauernschaften begann wahrscheinlich im 11. Jahrhundert.
Am Sonntagvormittag wurde die Ausstellung „Die Bauernschaft Langdorf – eine Höfegeschichte“ mit großem Besucherinteresse in der Dorfstube eröffnet. Die Begrüßungsrede hielt Peter Runge, der
Vorsitzende des Geschichtskreises Wankum. Er betonte, „dass sich Willi Küsters und Johannes Schriefers unglaublich intensiv mit dem Thema beschäftigt und viele Details über die damaligen Familien
gefunden haben, die in der Bauernschaft wohnten“. Wachtendonks stellvertretende Bürgermeisterin Marlies Brückner freute sich ebenfalls über die große Arbeit, die die beiden Geschichtsforscher in
das Projekt gesteckt hatten: „Mit all diesen vielen Details die Geschichte näherzubringen, das ist sehr wichtig und macht sie erst lebendig.“Auf großen Präsentationsflächen im hinteren Teil der
Dorfstube hängen nun bis Ende Oktober zahlreiche Fotos, geschichtliche Fakten und auch ganz persönliche Erinnerungen. Die schriftliche Zusammenstellung der Arbeitsergebnisse ist zum Preis von 15
Euro beim Geschichtskreis Wankum erhältlich.
Küsters und Schriefers wollen bewusst die Bewohner der jeweiligen Höfe hervorheben. „Denn Geschichte findet Zugang über die Menschen“, so Brückner, die sich, als von dort kommende, bereits
freute, „dass die nächste Ausstellung wahrscheinlich über die Höfe der Aerbecker Straße geht“. Denn über die Jahre sollen alle Wankumer Bauernschaften in den Fokus der Nachforschungen gerückt
werden.
INFO
Dorfstube öffnet alle zwei Wochen
Von nun an wird in fast an jedem zweiten Sonntag die Dorfstube geöffnet, damit sich Interessierte die Ausstellung anschauen können. Das nächste Mal ist am 26. August, danach folgen der 9. und 27.
September, sowie der 14. und 28. Oktober. Ein Besuch ist immer von 14 bis 17 Uhr möglich. Am 7. Oktober gibt es im Zuge eines Erntedankfests auf dem Kirchplatz Vorführungen alter
landwirtschaftlicher Geräte und die Ausstellung wird zusätzlich von 11 bis 18 Uhr zu sehen sein.
Von Christoph Nikolas Kellerbach. RP
Peter Runge, Vorsitzender
2. stellvertretende Bürgermeisterin
Marlies Brückner
Johannes Schrievers
Willy Küsters, Autor
Katalog € 15,00
Treffen des Geschichtskreises Wankum: „10 Jahre Dorfstube“
WANKUM. Das nächste Monatstreffen des Geschichtskreises Wankum ist am Mittwoch, 2. Mai, um 20 Uhr in der Dorfstube, Martinsplatz 4 in Wankum. Das Thema des Abends lautet „10 Jahre Dorfstube“.
Beim Monatstreffen im Mai steht die Dorfstube selbst im Mittelpunkt des Abends. Vor zehn Jahren wurde nach umfangreichen Umbauarbeiten die Dorfstube eröffnet. Aus Anlass dieses Jubiläums
berichtet der Vorsitzende Peter Runge über die Entstehungsgeschichte, die Umbauphase und vor allem über die Zielsetzung und die Möglichkeiten, die sich dem Geschichtskreis nunmehr mit der
ehemaligen Kaplanei boten um die Wankumer Geschichte nicht nur aufzuarbeiten, sondern auch darzustellen. Mit der Übernahme des Gebäudes durch den Geschichtskreis ist auch ein wichtiges, das
Ortsbild Wankums prägendes Gebäude erhalten geblieben. Alle, die sich für die Geschichte Wankums, für den Erhalt des Ortbildes und die Hintergründe der Übernahme durch den Geschichtskreis
interessieren, sind eingeladen.
Pressemitteilung
am Sonntag 17. Dezember 2017 um 11. Uhr Buchpräsentation in Dorfstube
€ 19,-- excl.Porto
Druyen Hans Autor von dieses Buch
Foto: Lucien Pijper
Hinweise:
In der Dorfstube, ehemalige Kaplanei, macht der Geschichtskreis Wankum folgende Angebote:
-Dauerausstellung
In der oberen Etage beherbergt die Dorfstube ein Museum als Dauerausstellung. Es zeigt dort historische Exponate, welche die Geschichte und das
Leben der Menschen in Wankum wiederspiegelt.
Öffnungszeiten: Von April bis November an jedem 2. Sonntag im Monat in der
Zeit von 14 – 17 Uhr
-Sonderausstellungen
Neben der Dauerausstellung bietet der Geschichtskreis In den unteren Räumen ein- bis zweimal im Jahr eine Sonderausstellung mit
unterschiedlicher Thematik an.
Während der Zeit der Sonderausstellungen gibt es folgende
Öffnungszeiten:jeden 2. und 4. Sonntag im Monat von 14 - 17 Uhr
-Monatstreffen
Einmal im Monat gibt es das sogenannte „Monatstreffen“. Zu diesen Treffen bietet der Geschichtskreis jeweils ein geschichtliches Thema an.
Hierzu sind stets alle interessierten Bürger eingeladen.
Termine: jeden ersten Mittwoch im Monat um 20 Uhr
-Führungen und Vorträge in der Dorfstube
Auf Wunsch und nach Absprache bietet der Geschichtskreis auch Führungen durch das Haus und die jeweiligen Ausstellungen an.
Für Gruppen, Vereine oder Klassentreffen bieten wir ebenfalls Führungen, Kurzvorträge oder Filmvorträge an
Termine:Nach Absprache
-Historische Führung durch Wankum
Historische Führungen durch den Ort können von beliebigen Gruppen nach Absprach durchgeführt werden.
Termine:Nach Absprache
-Exkursionen
In unregelmäßigen Abständen bietet der Geschichtskreis auch Exkursionen zu Orten mit historischer Bedeutung.
Termin
Weitere Informationen
können Sie auch unserem Schaukasten an der Dorfstube, der Tagespresse oder unserer Web-Seite entnehmen unter
www.geschichtskreis-wankum.de
Kontakte:
Geschichtskreis Wankum e.V., Auf dem Schelberg 24 – 47669 Wachtendonk-Wankum
Tel. +49 (0)2836-85240
| 00.00 Uhr
Niederrhein
Wie Kinder durch die Gegend rollten
Kornelia Heise-Ernst inmitten alter Kinderwagen. Das rote Deckchen im grünen Wagen stammt aus Schloss Sanssouci.FOTO:
Gerhard Seybert
Niederrhein. Kornelia Heise-Ernst aus Wachtendonk sammelt Puppen- und Stubenwagen. Die
Exponate einer Ausstellung in Wankum reichen vom späten 19. bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Viele Informationen zur Historie.Von
Michael Klatt
Einige begeisterte Reaktionen hat Kornelia Heise-Ernst schon bekommen. "Ein Nachbar von mir hat auf einen Wagen gezeigt und gerufen: ,Da habe ich damals drin gelegen'", erzählt die
Wachtendonkerin. Damals war der Mann längst nicht ausgewachsen, sondern passte bequem in das noch nicht mal einen Meter lange Korbgeflecht, das an einer Wand der Wankumer Dorfstube auf
vier Rädern steht. Es ist eines von rund 50 großen und unzähligen kleinen Exponaten der Puppen- und Stubenwagenausstellung, die Kornelia Heise-Ernst für den Geschichtskreis Wankum
organisiert hat.
Dieses Sammelgebiet erschloss sich die Wachtendonkerin vor rund einem Jahr ziemlich spontan. Im Internet war die Frau, die schon ziemlich lange Puppenhäuser und das Mobiliar dazu als Hobby
hat, auf der Suche nach etwas ganz anderem, als sie das Angebot von 22 Puppenwagen entdeckte. "Als ich das sah, schwebte mir die Ausstellung schon vor." Sie ersteigerte die Wagen, die sich
oft in einem ziemlich schäbigen Zustand befanden, und restaurierte sie. "12, 13 Stunden am Tag, auch samstags und sonntags", umreißt sie die Plackerei. Einige Stücke kamen seitdem hinzu.
Heike Schröder, eine Freundin aus dem Bastelkreis, sowie Sammlerfreund Jörg Bohn steuerten weitere Ausstellungsstücke bei.
Vom späten 19. bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts reicht das Spektrum der Exponate. Auf einige Stücke ist die Sammlerin besonders stolz. Zum Beispiel auf den seltenen Zwillingswagen der
Firma Brennabor, der etwa 1900 produziert wurde. Der preußischblaue Holzkorpus ist mit Textilgewebe bespannt. In der Mitte des Bodens befindet sich eine quadratische Vertiefung. "Das ist für
die Füßchen", erklärt Kornelia Heise-Ernst. Das heißt: Liegen konnten die beiden Kinder in dem Gefährt nicht, sie mussten schon sitzen können, um die Plätze einander gegenüber einnehmen zu
können. Es sei früher aber sowieso nicht üblich gewesen, kleine Kinder mitzunehmen, berichtet die Wachtendonkerin. Sie hat sich nicht damit begnügt, die Transportmittel zu präsentieren,
sondern liefert dazu auch noch viele Informationen über die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Zum Beispiel darüber, wie hoch die Kindersterblichkeit Anfang des 19. Jahrhunderts gewesen ist.
Ein Drittel der Neugeborenen starb vor dem Erreichen des dritten Lebensjahres.
Einiges erfährt der Besucher über die Herstellerfirmen der Exponate, über Brennabor, Saxonia, Germania, Frankonia. Ernst-Albert Naether erfand in Zeitz Mitte des 19. Jahrhunderts den
Kinderwagen, die Stadt in Sachsen-Anhalt entwickelte sich zur Hochburg, gab Tausenden Arbeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg machten die Sowjets hier wie überall in ihrem Einflussgebiet die Firma
zu einem Volkseigenen Betrieb (VEB), zum VEB Zekiwa (Zeitzer Kinderwagenindustrie). Heise-Ernst: "In der Bundesrepublik hat Neckermann diese Kinderwagen vertrieben." Allerdings ohne
Firmenlogo. 1998 wurde Zekiwa abgewickelt.
Babytransport früher und heute - das ist ein weiteres Thema. Von Schubkarren und Bollerwagen bis zu Tragetuch und Rucksack reichen die Methoden. Auch aus heutiger Sicht Kurioses fehlt in
der Ausstellung nicht. Eine Polizeiverordnung aus Naumburg von 1897 verrät, dass Kinderwagen einst Nummernschilder haben mussten. Zuwiderhandlung wurde mit einer happigen Geldstrafe von
neun Mark oder Gefängnis geahndet.
In einem grünen Puppenwagen von 1900 fallen ein rotes Deckchen und ein rotes Kissen mit Königskronen auf. Da taucht Kornelia Heise-Ernst in ihre eigene Familiengeschichte ein. "Das stammt von
Schloss Sanssouci, wo eine Tante Zimmermädchen war. Als der Kaiser ins niederländische Exil musste, durften die Bediensteten sich was mitnehmen, und so landeten die Bezüge auf Umwegen bei
mir."
Selbst taucht die 1952 geborene Organisatorin übrigens auch auf - auf einem Schwarz-Weiß-Foto als Baby in einem geschlossenen Wagen. Später kaufte ihre Mutter einen vorne offenen Wagen, in
dem auch der jüngere Bruder Platz hatte und der bei der Schwester nicht auf Gegenliebe stieß. "Ich fand den Wagen hässlich."
Heinz
Josef Naus Organisator und Peter Runge (l.) mit einem Porträt von Constantin von Ruys-Nieuwenbroeck, um den sich die Ausstellung dreht.FOTO:
Seybert